Nicolas Perelyguine, Jugendbeauftragter der Stadt Renens/VD, organisierte mit Jugend in Aktion bereits zwei Austauschprojekte zwischen Jugendlichen aus Tunesien und der Schweiz. Über Herausforderungen und Chancen eines Jugendaustauschs.

Sie realisierten im Jahr 2013 mit Jugendlichen aus Renens und Tunis eine Jugendbegegnung in der Schweiz und reisten im Folgejahr mit einer Gruppe nach Tunesien. Wie kamen die Austauschprojekte zustande?
In einem Newsletter las ich, dass für eine Studienreise nach Tunesien, organisiert von Jugend in Aktion, noch Plätze für Schweizer Teilnehmende frei sind und habe mich angemeldet. Dort habe ich die Jugendarbeiterin Houda Slim vom Club Culturel Ali Belhouane aus Tunis kennen gelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb und so entstand die Idee, ein gemeinsames Austauschprojekt auf die Beine zu stellen.

Wie hat ihr Arbeitgeber auf die Idee reagiert?
Am Anfang waren vor allem bezüglich des grossen Aufwands Zweifel da, schliesslich hatten wir in der Gemeinde schon so alle Hände voll zu tun. Nachdem ich das Projekt aber dem Gemeinderat präsentierte, waren alle begeistert und es wurde genehmigt. Das Austauschprojekt mit den tunesischen Jugendlichen in der Schweiz war denn auch ein voller Erfolg. Die Stadträtin von Renens war sogar so sehr vom Projekt begeistert, dass sie uns für die zweite Durchführung nach Tunesien begleitete. Das war nicht nur für uns eine grosse Wertschätzung, sondern ermöglichte auch den Aufbau einer guten Partnerschaft zwischen den Jugendsektoren in Tunis und Renens.

Was gilt es Ihrer Meinung nach bei der Organisation eines Austauschprojekts zu beachten?
Eine zuverlässige Partnerorganisation ist sicherlich das A und O. Die Weiterbildungskurse, die von Jugend in Aktion in ganz Europa angeboten werden, bieten eine gute Möglichkeit, um verschiedene Partnerorganisationen aus dem Aus­land kennen zu lernen. Ausserdem sollte man sich über den zeitlichen und administrativen Aufwand für ein solches Projekt bewusst sein. Ein gutes Team, das einem unterstützt und gewisse Aufgaben übernehmen kann, ist viel wert.

Welche Erkenntnisse haben ihnen die Austauschprojekte in Bezug auf ihre Arbeit mit den Jugendlichen gebracht?
Sie haben mir gezeigt, dass wir die Partizipation der Ju­gendlichen mehr fördern müssen. Unsere Arbeit ist es, sie zu motivieren und bei ihren Ideen zu unterstützen. Am Anfang hatte ich grosse Mühe, Jugendliche für das Projekt zu finden, die sich über sechs Monate hinweg engagieren wollten. Nach dem Austausch sagten viele, dass dies eine der besten Erfahrungen in ihrem Leben gewesen sei. Dadurch, dass die Jugendlichen von Anfang an im Projekt eingebunden und viele Auf­gaben selbständig übernahmen, wurden nebst ihren interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen auch ihre Eigenverantwortung und Selbstkompetenz enorm gestärkt.

Und wie haben Sie als Jugendarbeiter auf professioneller Ebene profitiert?
Ich lernte eine Kultur und Arbeitsweise auf eine Art ken­nen, wie es mir sonst niemals möglich gewesen wäre. Der Austausch von Erfahrungen und neuen Ansätzen hat meine Arbeit als Jugendarbeiter sehr bereichert. Ich bin für diese Projekte sicherlich über meine Grenzen hinausgewachsen. In den neun Jahren, die ich nun hier in Renens als Jugendbeauf­tragter tätig bin, gehören sie klar zu meinen Highlights.

Sind sie noch in Kontakt mit der tunesischen Gruppe?
Ja, diesen Monat reisen wir sogar alle nach Tunesien, um an die Hochzeit einer Teilnehmerin zu gehen. Für sie war von Anfang an klar, dass wir aus der Schweiz bei ihrem grossen Tag nicht fehlen dürfen. Die beiden Austauschprojekte haben wirklich Spuren hinterlassen und zwischen den Teilnehmenden eine Verbindung, die bis heute anhält.

Die Kurzversion dieses Interviews ist im aktuellen infoAnimation, der Zeitschrift des Dachverbandes offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz, zum Thema „Qualität in der offenen Kinder- und Jugendarbeit“ erschienen. Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

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