Die Mitglieder der parlamentarischen Gruppe Kinder und Jugend (PGKJ) haben sich am Mittwoch dem 15. März 2017 getroffen, um über die zukünftige Beteiligung der Schweiz am europäischen Austauschprogramm zu diskutieren. Mit drei Inputreferaten wurden die zahlreichen Teilnehmenden der Infoveranstaltung auf mögliche Szenarien über den Beteiligungsstatus der Schweiz an Erasmus+ informiert.

Gaetan Lagger, wissenschaftlicher Berater EU-Bildungs- und Jugendprogramme vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), zeigt mit dem ersten Inputreferat transparent die Vor- und Nachteile, welche eine Vollassoziierung bzw. eine Weiterführung der Übergangslösung mit der EU mit sich bringen. Trotz der Vision des SBFI, dass alle Jugendliche im Verlauf ihrer Ausbildung mindestens einmal an einem länger dauernden Austausch- und Mobilitätsprojekt teilnehmen, verfolgt das SBFI die Strategie der Übergangslösung für Erasmus+, da es laut SBFI nicht absehbar sei, zeitnah mit der EU eine einvernehmliche Lösung über eine Vollmitgliedschaft in Erasmus+ für die laufende Programmperiode (bis 2020) zu finden.

Als zweite Rednerin erhält Lea Meister, Präsidentin der European Students‘ Union (esu) das Wort. Lea Meister weist darauf hin, dass durch Erasmus+ wertvolle Synergien genutzt, die formale sowie die non-formale Bildung gefördert und die Partizipation von Jugendlichen gestärkt wird. Gerade in der Schweiz, in welcher die Bildung als die wichtigste Ressource angesehen wird, gilt es, das europäische Austauschprogramm zu sichern. Denn als Land der Verbände, Vereine und der direkten Demokratie kommen der Schweiz all die gewonnenen Kompetenzen und Fähigkeiten der Teilnehmenden an einem Austauschprogramm direkt zugute. Aus diesen Gründen ist Lea Meister’s Forderung an das SBFI laut und deutlich: Sofortige Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der EU über eine Vollmitgliedschaft der Schweiz am europäischen Austauschprogramm ab 2018.

Auch Herbert Binggeli, Mitglied der Delegation Internationale Beziehungen von swissuniversities fordert die sofortige Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der EU, sodass die Schweiz spätestens im nächsten Rahmenprogramm 2021 an Erasmus+ wiederassoziiert werden kann. Laut ihm steht Erasmus für eine 30-jährige Erfolgsgeschichte, und gilt nicht nur als Träger der Demokratie, sondern erhöht auch die Beschäftigungsfähigkeit von jungen Menschen im globalen Arbeitsmarkt. Nicht zuletzt fördert eine Vollassoziierung der Schweiz an Erasmus+ den Austausch und die Mobilität zwischen den Hochschulen. Bildlich gesprochen weist Binggeli darauf hin, dass die Schweizer Studierenden bis 2014 ein Generalabonnement für den europäischen Austausch gelöst hatten. Jetzt steht die Schweiz jedoch wieder beim Billettautomat Schlange und muss jedes Billett einzeln aushandeln.

Die Stossrichtung der darauffolgenden Diskussion geht in die Richtung der Inputs von Meister und Binggeli. Bei den PolitkerInnen herrscht Unverständnis über die passive Haltung des SBFI gegenüber der Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der EU. Auf Seiten des SBFI wird darauf hingewiesen, dass einerseits die Zeit für eine Einigung mit der EU drängt, um überhaupt noch bis 2021 von Erasmus+ profitieren zu können. Andererseits ist die Schweiz zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit, die geforderten finanziellen Mittel für eine Vollassoziierung an Erasmus+ zu sprechen. Die zahlreichen Teilnehmenden zeigten sich mit diesen Antworten nicht zufrieden und der Ausgang über die Beteiligung der Schweiz am europäischen Austauschprogramm für die nächsten drei Jahre bleibt zur Zeit ungewiss.

Die parlamentarische Gruppe Kinder und Jugend PGKJ ist eine Interessensgemeinschaft aller National- und StänderätInnen, die sich für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen engagieren. Präsidiert wird die Gruppe von Nationalrat Mathias Reynard (SP) und Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (CVP). Die SAJV führt das Sekretariat der PGKJ. Zwei bis drei Mal pro Jahr finden Treffen der Gruppe statt, die von der SAJV organisiert werden. Im Rahmen der Treffen der PGKJ werden Fragen der Kinder- und Jugendpolitik thematisiert.

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