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Erasmus+ bringt dich in die Wüste Israels

Fremde Kulturen kennenlernen, sich mit Leuten austauschen, die aus ganz anderen Ecken der Welt stammen, aber sich doch mit den gleichen Hoffnungen und alltäglichen Sorgen beschäftigen? Wie es sich anfühlt, in eine andere Kultur einzutauchen und gleichzeitig die eigenen Gewohnheiten zu überdenken, das durfte Selina Stoller im Rahmen des interkulturellen Austauschs „Building Walls – Breaking Walls“ selbst erleben. Erfahre hier, wie es ihr dabei ergangen ist und warum sie in der Wüste Israels über den Nordirland-Irland Konflikt diskutiert hat.

Selina Stoller ist 24 Jahre alt und studiert im Master an Universität Bern Public Management & Policy. Vergangenes Jahr war sie als Teilnehmerin beim interkulturellen Austausch "Building Walls - Breaking Walls" dabei. Neben ihrem Studium arbeitet sie für den Verein Naturkultur, welcher den Austausch organisiert. 

Liebe Selina, wir freuen uns, mehr über deine Erfahrungen im Austausch mit "Building Walls - Breaking Walls" zu hören. Kannst du uns ein wenig von dieser Projektwoche erzählen? 

Ich durfte im Rahmen von Erasmus+ am interkulturellen Begegnungsprojekt "Building Walls - Breaking Walls" Israel im Kibbutz Lotan teilnehmen. "Building Walls - Breaking Walls" ist ein interkulturelles Trockenmauerprojekt, bei welchem junge Erwachsene im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren aus Irland, Nordirland, Israel, Palästina und der Schweiz während einer Woche zusammenkommen und eine Trockenmauer (in Israel in der Wüste handelt es sich um eine Lehmmauer) renovieren und dabei kulturelle, religiöse und politische Mauern abbauen. Die Projektwochen in Irland und Israel werden von Erasmus+ finanziert. Ich durfte letztes Jahr am "Building Walls - Breaking Walls" Israel als eine von vier Schweizer*innen teilnehmen. Zusammen mit den Teilnehmer*innen aus den anderen Ländern erlebten wir eine unvergleichliche Woche im Kibbutz Lotan. Die Umgebung in der Wüste und das Leben in einem Kibbutz ist ganz anders als das Leben, welches ich in der Schweiz führe und ich war fasziniert von diesem mir fremden Alltag und auch die Wüste faszinierte mich.

Das Beste an dem Projekt waren jedoch die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Wir alle waren etwa im gleichen Alter, hatten zum Teil die unterschiedlichsten sozioökonomischen Hintergründe und doch waren wir innerhalb von wenigen Tagn eine zusammengeschweisste Gruppe. Ich behaupte, dass ich alle Teilnehmer*innen auf sehr persönlicher Ebene kennenlernen konnte, trotz dieser relativ kurzen Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Wir wurden jeweils in kleine Gruppen aufgeteilt und arbeiteten halbtags an der Lehmmauer, wo wir eine geschützte Feuerstelle für die Jugendlichen bauten und die andere Hälfte des Tages verbrachten wir mit unterschiedlichen Workshops, wo wir über politische und religiöse Konflikte unserer Ländern diskutierten, aber auch auf persönlicher Ebene über unsere individuellen Ziele im Leben sprachen. Natürlich lernte ich sehr viel über den Israel-Palästina Konflikt und auch den Nordirland-Irland Konflikt.

"Das Spannendste war jedoch zu merken, dass diese Jugendlichen zum Teil genau die gleichen Themen beschäftigen wie mich auch und wir diskutierten über die Klimaerwärmung, Migration oder über den Einstieg ins Berufsleben."

 

Durch diese Projektwoche und meine Arbeit beim Verein, denke ich, wenn ich von diesen Ländern höre nicht mehr automatisch an die Schlagzeilen und den Konflikt, welcher in der Zeitung beschrieben wird, sondern ich sehe die Menschen vor mir, die ich in diesem Lager kennengelernt habe. Noch immer stehe ich in Kontakt zu einigen von ihnen und es sind bereits Besuche entstanden. Gerade jetzt während der Corona-Pandemie war es extrem spannend, von ihnen zu erfahren, wie die Situation in ihren Ländern aussieht und ich hoffe, dass es bald wieder einmal ein Wiedersehen gibt.

Das Projekt "Building Walls – Breaking Walls" zielt auf einen interkulturellen Austausch. Warum ist so ein Austausch deiner Meinung nach wichtig?

Wie bereits bei der ersten Frage ein wenig beschrieben, ist meiner Meinung nach dieser interkulturelle Austausch so wichtig, weil man beginnt, die Menschen hinter einem Land oder einer Kultur/ Religion zu sehen. Gerade in unserer digitalisierten Welt werden wir sehr oft mit Stereotypen und Schlagzeilen über fremde Länder und Kulturen konfrontiert und diese bleiben an uns haften. Es entsteht ein Bild, welches oft sehr weit von der Realität entfernt ist.

"Durch diesen interkulturellen Austausch lernt man Menschen, wie "Du und ich" kennen und beginnt, die Kultur oder das "Fremde" mit Persönlichkeiten zu verbinden."

Das beseitigt Unsicherheiten und Vorurteile und führt (oft) zu sehr konstruktiven Diskussionen. Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist und es zu emotionalen Auseinandersetzungen kommen kann, werden einem andere Sichtweisen verständliche dargelegt und der respektvolle Umgang, der in der Gruppe gepflegt wird, sorgt dafür, dass trotzdem jede*r seine Meinung kundtun und dabei Rücksicht auf die anderen nehmen kann.  Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man selber anfängt, die Schweizer Kultur und die eigene Lebensweise zu hinterfragen. Dabei werden in der Schweiz oft die Sprachgrenzen, gerade der Röstigraben, angesprochen, welcher die kulturelle Gespaltenheit der Schweiz aufzeigt. Die Beziehung der Schweiz zur EU ist ebefalls ein Thema, was die Teilnehmenden aus den anderen Ländern meist staunen lässt. Es wird einem aber auch klar, was man am eigenen Leben in der Schweiz schätzt und was für einem selbst von kulturellem Wert ist.

Welche Erfahrungen nimmst du aus deinem Auslandsaufenthalt mit?

Ich nehme aus diesem Projekt unglaublich viele Erfahrungen mit. Zum einen habe ich sehr viel über die Länder der anderen Teilnehmer*innen, deren Kultur und Konflikte gelernt. Zudem konnte ich  meine eigene Kultur reflektieren und habe gelernt, welche Aspekte mir in meinem Leben wichtig sind. Zu einem Teil habe ich also auch mich selbst besser kennengelernt. Aus dem Projekt sind länderübergreifende Freundschaften entstanden, die ich heute noch pflege und von denen ich viel profitiere. Zudem konnte ich einen Einblick in des Leben im Kibbutz in der Wüste Israels erhalten und habe eine völlig fremde natürliche Umgebung und Lebensweise kennengelernt.

Was empfiehlst du anderen, die sich überlegen, einen Austausch (mit Erasmus+) zu machen?

Ich empfehle jeder Person, die sich das überlegt, unbedingt an einem solchen Austausch teilzunehmen. Es öffnet einem den Horizont zu neuen Welten und ist eine unglaubliche Bereicherung.  Ich bin überzeugt davon, dass ein interkultureller Austausch einem sowohl persönlich als auch beruflich weiterbringt.

Warum sollte man die Petition Erasmus+ unterschreiben und sich dafür einsetzen? Welche Argumente sprechen für eine Vollassozierung der Schweiz an das Erasmus+-Programm?

Jede*r Schweizer*in sollte die Petition für Erasmus+ unterschreiben, da das Mobilitätsprogramm nicht nur Austausche an europäischen Universitäten ermöglicht, sondern auch Austausche für Lehrlinge und Berufsbildung, und für Jugendaustausche ausserhalb des Schulbetriebs finanziert. Dies betrifft auch die Projekte des Vereins Naturkultur, dies betrifft auch "Building Walls - Breaking Walls" .

Zwar haben wir seit ein paar Jahren eine „Schweizer Lösung“, mit welcher wir an Teilen der Austausche teilnehmen können. Aber es bietet  nicht die gleichen Möglichkeiten zur Teilnahme wie das Programm Erasmus+ und bringt viele Einschränkungen - junge Menschen und Jugendorganisationen aus der Schweiz geniessen nicht die gleichen Chancen für Austausche.

"Der Nutzen eines Austausches und der Mobilität für Jugendliche ist unbestritten: Jugendliche stärken ihre persönlichen und interkulturellen Kompetenzen, erweitern ihren Horizont und sammeln äusserst wichtige Erfahrungen für das berufliche und private Leben."

Ich selbst konnte bereits von einem solchen Angebot profitieren und deshalb setze ich mich dafür ein, dass die Schweiz wieder als vollwertiges Mitglied beim Programm dabei sein kann und jede*r Schweizer*in die Chance hat, an einem interkulturellen Austausch teilzunehmen.

Wer kann sich für dieses Projekt anmelden und wie läuft das Anmeldeverfahren dazu ab?

Für das Projekt anmelden können sich alle jungen Erwachsenen aus der Schweiz zwischen 18-25 Jahren, die Interesse an einem interkulturellen Austausch haben. Für die Projektwoche wird je nach Standort ein kleiner Teilnehmerbeitrag verlangt und es werden jeweils 70% der Reisekosten vom Verein übernommen. Wenn jemand diesen Beitrag nicht bezahlen kann, gibt es die Möglichkeit diesen sonst beim Verein abzuverdienen und das soll absolut kein Hinderungsgrund sein. Das Ziel ist es, dass eine möglichst diverse Gruppe teilnehmen kann (pro Lager sind das jeweils 4 Personen) und so werden Personen aus der Romandie, dem Ticino oder der romanischen Schweiz eventuell bevorteilt, da die Mehrheit der Teilnehmenden aus der Deutschschweiz kommt. Grundsätzlich gilt jedoch "first come, first served". Informationen über das Projekt und die Anmeldung können über die Webseite www.nakultur.ch gemacht werden. Sobald das Anmeldeverfahren abgeschlossen ist, wird sich der Verein persönlich melden und mit den nächsten Schritten auf die Teilnehmenden zukommen.

 Mittlerweile gibt es das Projekt an fünf verschiedenen Standorten. Drei in der Schweiz (Mergoscia Tessin, Val Mustair Graubünden und Obergrenchenberg Jura) eines in Irland auf der Cape Clear Insel bei Cork und eines in der Arava Wüste Israels im Kibbutz Lotan. 

 

 

Petition Erasmus+ 2021 für die Schweiz
Wir brauchen eure Unterstützung!

Bisher wurden für die Petition zur Vollassoziierung der Schweiz an Erasmus+ rund 4'000 Unterschriften gesammelt. Um unser Ziel zu erreichen, brauchen wir aber noch einige mehr! Die Petition wurde von der SAJV zusammen mit weiteren Jugendorganisationen und Parteien lanciert und soll die Vollassoziierung der Schweiz an das europäische Mobilitätsprogramm Erasmus+ bewirken. Unterstütze uns jetzt, unterschreibe die Petition und teile sie mit weiteren Organisationen und Personen aus deinem Umfeld!

Hier gelangst du zur Petition

Die derzeitige Schweizer Lösung bietet nicht die gleichen umfangreichen Austauschmöglichkeiten wie Erasmus+. So werden im schweizerischen Austauschprogramm die Bereiche der Berufsbildung und der ausserschulischen Bildung vernachlässigt. Eine Vollassoziierung der Schweiz an Erasmus+ sehen wir daher als einzige Möglichkeit, um allen Schweizer Jugendlichen die uneingeschränkte Chance zur Mobilität in Europa zu bieten.

Mehr Infos zur Petition findest du hier

 

 

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